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MediFuture 2010

Dr. med. Gerhard Müller, Mondial Deutschland: Medical Assistance - Repariierung oder Behandlung in der Ferne?

Gesundheitsökonomische Forschung - Anrufgründe im Telemedizin-Zentrum

Dr. med. Andrea Vincenzo Braga, MBA
Chefarzt und Mitglied der Geschäftsleitung von Medi24

Medi24 nimmt täglich mehrere Tausend Anrufe zu medizinischen Fragen entgegen, die von medizinischen Fachberatern und Ärzten beantwortet werden. Die Konsultationen werden mittels ICPC - 2 (International Classification of Primary Care – 2nd Edition) klassifiziert. Dieses System ist international in der medizinischen Grundversorgung gängig, um u.a. den Konsultationsgrund RFE (Reason for Encounter) zu erfassen. So lassen sich Anrufgründe festhalten. Eine statistische Auswertung ist möglich. Mit ihren grossen Fallzahlen leisten telemedizinische Konsultationszentren einen wertvollen Beitrag zur gesundheitsökonomischen Forschung und –Planung in der Schweiz.

Von Januar bis Juli 2009 wurden bei Medi24 Tausende Anrufe nach ICPC eingeteilt. Weiter wurden "Symptomen" von "Nicht-Symptomen" unterschieden. Die Auswertung soll zeigen, aufgrund welcher Symptome die Bevölkerung Kontakt mit einem telemedizinischen Konsultationszentrum aufnimmt. In die Gruppe der „Nicht-Symptome“ fallen Auskünfte zu Vorsorgeuntersuchungen, diagnostischen Eingriffen u.v.a.m. an. Neben den Detailauswertungen wurde eine Liste der 20 häufigsten Anrufgründe erstellt.

Die meisten Anfragen erfolgen aufgrund von Symptomen, die der Patient akut verspürt, die restlichen entfallen auf andere Fragestellungen. Diese Verteilung widerspiegelt die Grundidee der telefonischen Triage: Wie soll der Patient zeitlich und örtlich mit seinen aktuellen Symptomen umgehen? Bei der Detailerhebung zeigt sich die Tendenz, dass die Anrufgründe im telemedizinischen Konsultationszentrum von Medi24 weitgehend identisch sind mit den Gründen für einen Besuch beim Grundversorger. Aufgrund der geringen Datenmenge – wegen fehlender Erfassung – sind bisher wenige Vergleichsmöglichkeiten mit Grundversorgern vorhanden.
Bern, Juni 2010

Einsatz einer elektronischen Patientenakte im Disease Management

Alexander Krass, Ärztlicher Leiter Disease Management Medi24

Disease Management soll Leistungserbringer vernetzen. Seit drei Jahren bietet Medi24 in Kooperation mit regionalen Leistungserbringern (Hausarzt, Spital, Herzinsuffizienzberaterin) eine vernetzte Betreuung bei Herzinsuffizienz an. Der behandelnde Arzt meldet den Patienten zum Programm an, die persönliche Beratung erfolgt durch eine Herzinsuffizienzberaterin vor Ort und die strukturierte Nachbetreuung per Telefon durch Medi24. Durch diese Arbeitsteilung ergab sich das Problem des Informationsaustausches, der standarisierten Dokumentation und der Erstellung sowie Verwaltung von Dokumenten. Ausserdem sollte das Telemonitoring medizinischer Parameter (z.B. Körpergewicht und Blutdruck) möglich sein.

Medi24 prüfte die im deutschsprachigen Raum angebotenen Lösungen. Dabei stellte sich heraus, dass die vorhandenen Instrumente mit dem Ziel einer standarisierten Betreuung grösserer Patientenkollektive sehr prozessorientert aufgebaut sind. Die nötige Flexiblität fehlte; Flexibiltät, die in der Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Leistungserbringern und den sich daraus ergebenenden Anforderungen erforderlich ist. Deshalb entschloss sich Medi24, eine bereits bestehende Lösung auf die eigenen Bedürfnisse anzupassen.

Gemeinsam mit einem Softwarehersteller ist es gelungen, eine webbasierte Patientenakte zu schaffen, die den gruppenspezifischen Anforderungen der unterschiedlichen Akteure im Herzinsuffizienzprogramm entspricht, aber gleichzeitig eine standardisierte Dokumentation ermöglicht. Durch die Vergabe unterscheidlicher Rollen kann diese Akte durch den behandelnden Arzt, das Spital, die Herzinsuffizienzberaterin und den Patienten genutzt werden.
Bern, Juni 2010